Ich bin Silke Meyer
Ich arbeite als Coach und Mentorin mit Frauen, die viel wahrnehmen, für andere mitdenken und Verantwortung übernehmen – oft weit über das hinaus, was tatsächlich ihre Aufgabe ist.
Ich kenne diese Situationen aus meinem eigenen Leben. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, warum ich Stimmungen so genau beobachtete, Probleme und mögliche Lösungen früh erkannte und mich sofort dafür verantwortlich fühlte, etwas zu unternehmen.
Heute kann ich vieles davon einordnen. Ich erkenne meine eigenen Muster früher und gehe anders mit ihnen um. Diese Erfahrung prägt meine Arbeit. Deine Geschichte ist trotzdem nicht meine Geschichte. Deshalb schaue ich genau hin, anstatt vorschnelle Erklärungen zu liefern.
Was ich früh gelernt habe
Ich bin mit vier Geschwistern in einer Familie aufgewachsen, in der es Gewalt, Beschimpfungen, lautstarke Auseinandersetzungen und finanzielle Sorgen gab. Mein Vater war cholerisch und gewalttätig. Zuhause konnte die Stimmung schnell kippen.
Schon als kleines Kind beobachtete ich deshalb sehr genau, was um mich herum geschah:
- Wie ist die Stimmung?
- Was könnte gleich passieren?
- Was kann ich tun, damit es nicht noch schlimmer wird?
Mit fünf Jahren begann ich, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass die Wände nicht einstürzten. Natürlich konnte ich die Probleme der Erwachsenen nicht lösen. Trotzdem machte ich sie zu meiner Aufgabe.
Wenn eine Situation eskalierte, hatte ich Angst, dass alles zusammenbrechen könnte. Und was würde dann aus mir, meinen Geschwistern und unserer Familie?
Ich dachte als Kind nicht bewusst darüber nach, wer verantwortlich war. Es war eher dieses Gefühl: Ich muss etwas nicht richtig gemacht haben – sonst wäre das nicht passiert.
Ich hätte früher merken müssen, dass etwas nicht stimmte. Ich hätte mehr Rücksicht nehmen, mich verständlicher ausdrücken oder weniger verlangen müssen.
So begann ich, nicht nur Verantwortung zu übernehmen, sondern auch die Schuld bei mir zu suchen.
Wie ich das heute einordne
Heute kenne ich die Fachbegriffe für einige dieser Reaktionen:
- Parentifizierung: Ein Kind übernimmt Verantwortung, die eigentlich Erwachsene tragen müssten.
- Hypervigilanz: Es bleibt ständig wachsam und beobachtet genau, wann eine Situation kippen könnte.
- Internalisierte Schuld: Wenn etwas geschieht, sucht es die Ursache automatisch bei sich.
Damals kannte ich diese Begriffe nicht. Für mich war es normal, ständig aufzupassen, Schwierigkeiten früh zu erkennen und mich zu fragen, was ich hätte besser machen müssen.
Was mir als Kind half, in einer unberechenbaren Umgebung zurechtzukommen, nahm ich mit in mein erwachsenes Leben.
Nach außen funktionierte ich
Ich arbeitete zunächst in der gehobenen Gastronomie und trug später viele Jahre Verantwortung im Finanzbereich. Außerdem beschäftigte ich mich intensiv mit Webdesign und Mediengestaltung.
Ich konnte organisieren, Entscheidungen treffen und Probleme lösen. Ich war verlässlich und belastbar.
Gleichzeitig zweifelte ich häufig daran, ob ich mich richtig verständlich gemacht hatte. Ich erklärte mich ausführlich, nahm Rücksicht und versuchte, Auseinandersetzungen zu verhindern. Wenn etwas liegen blieb, kümmerte ich mich darum. Wenn jemand unzufrieden war, prüfte ich zuerst, was ich falsch gemacht haben könnte.
Berufliche Kompetenz und alte Verhaltensmuster schließen sich nicht aus.
Ein Mensch kann im Alltag viel bewältigen und trotzdem Schwierigkeiten damit haben, die eigene Verantwortung von der Verantwortung anderer zu trennen.
Mit 59 verstand ich einen weiteren wichtigen Teil
Ich war 59, als ich begann, mich intensiver mit meiner Neurodivergenz auseinanderzusetzen.
Dadurch konnte ich Eigenschaften anders einordnen, die mich mein ganzes Leben begleitet hatten: meine schnelle Auffassungsgabe, meine intensive Wahrnehmung und meinen unmittelbaren Blick für Zusammenhänge, Probleme und mögliche Lösungen.
Wenn ich ein Problem erkenne, suche ich sofort nach Handlungsmöglichkeiten: Was kann ich tun? Was lässt sich verändern? Welche Lösung ist realistisch?
Nicht alles davon war durch meine Kindheit entstanden. Ein Teil gehört zu der Art, wie ich Informationen wahrnehme und verarbeite.
Meine Kindheit hatte diesen Fähigkeiten jedoch eine zusätzliche Aufgabe gegeben:
- Aus schnellem Erfassen wurde ständige Wachsamkeit.
- Aus dem Erkennen möglicher Lösungen wurde das Gefühl, auch für ihre Umsetzung verantwortlich zu sein.
- Aus Rücksicht wurde die Verantwortung für die Stimmung anderer.
Das Problem lag nicht darin, dass ich schnell Lösungen sehe. Problematisch wurde es dort, wo ich glaubte, jedes erkannte Problem auch selbst lösen zu müssen.
Meine Neurodivergenz erklärte nicht alles. Sie war aber ein wichtiger Teil, der mir lange gefehlt hatte.
Ich konnte nun genauer unterscheiden: Was gehört zu meiner Art zu denken und wahrzunehmen? Was habe ich als Kind gelernt? Und was davon beeinflusst mein Verhalten heute noch?
Was sich für mich verändert hat
Das Verstehen war ein Anfang. Die Veränderung fand im Alltag statt.
Ich begann, zwischen dem zu unterscheiden, was tatsächlich geschehen war, und dem, was ich sofort daraus geschlossen hatte. Ich prüfte genauer, welche Verantwortung wirklich bei mir lag und welche ich aus Gewohnheit übernahm.
Ich achtete auf die Momente, in denen ich Ja sagte, obwohl ich Nein meinte. Auf Entscheidungen, die ich sofort wieder infrage stellte. Und auf Gespräche, nach denen ich überzeugt war, mich falsch ausgedrückt oder zu viel verlangt zu haben.
Alte Reaktionen verschwinden nicht auf einen Schlag. Veränderung bedeutet für mich, sie früher zu erkennen und ihnen nicht mehr automatisch zu folgen.
Heute bemerke ich schneller, wenn ich wieder alles übernehmen will. Ich kann meine erste Interpretation überprüfen, bevor ich sie als Tatsache behandle. Und ich kann ein Nein eher stehen lassen, auch wenn mein Gegenüber darüber nicht erfreut ist.
Das gelingt nicht in jeder Situation gleich. Der Unterschied ist, dass ich heute erkenne, was geschieht, und darauf reagieren kann.
Warum ich heute Frauen begleite
Ich war fast sechzig, bevor ich entscheidende Zusammenhänge in meinem eigenen Leben verstand. Deshalb weiß ich, dass eine neue Einordnung nicht vom Alter abhängt.
Ich kenne Gedanken wie diese:
- „Ich hätte mich besser ausdrücken müssen.“
- „Jetzt ist sie bestimmt wegen mir schlecht gelaunt.“
- „Bevor es Streit gibt, mache ich es lieber selbst.“
- „Bestimmt habe ich etwas übersehen.“
Ich weiß auch, dass eine gute Erklärung allein noch keine Veränderung bewirkt. Ein Muster zu erkennen und im entscheidenden Moment anders zu handeln, sind zwei verschiedene Dinge.
Deshalb arbeiten wir im Coaching mit konkreten Situationen aus deinem Alltag. Wir schauen nicht nur darauf, woher eine Reaktion kommt, sondern vor allem darauf, was heute tatsächlich geschieht.
So arbeite ich
Wir nehmen eine konkrete Situation und prüfen sie gemeinsam:
- Was wurde wirklich gesagt oder getan?
- Was hast du sofort daraus geschlossen?
- Welche Interpretation behandelst du bereits wie eine Tatsache?
- Welche Verantwortung gehört zu dir?
- Welche Verantwortung übernimmst du für andere?
- Was wolltest du sagen oder tun?
- Was wäre beim nächsten Mal ein realistischer anderer Schritt?
Ich bestätige nicht automatisch jede Vermutung. Ich frage nach, wenn du eine Interpretation für eine Tatsache hältst. Ich spreche es an, wenn du wieder Verantwortung übernimmst, die nicht zu dir gehört, oder deine eigenen Gründe nicht gelten lässt.
Ich entscheide nicht für dich. Ich unterstütze dich dabei, Situationen klarer einzuordnen, eigene Entscheidungen zu treffen und andere Reaktionen im Alltag auszuprobieren.
Worum es in unserer Zusammenarbeit gehen kann
Zum Beispiel darum, dass du:
- Gespräche lange im Kopf überprüfst,
- die Reaktionen anderer sofort auf dich beziehst,
- Ja sagst und dich später darüber ärgerst,
- ein Nein zurücknimmst, weil es nicht akzeptiert wird,
- Aufgaben erledigst, die andere liegen lassen,
- dich für die Stimmung im Raum verantwortlich fühlst,
- Entscheidungen immer wieder infrage stellst
- oder im Grübeln festhängst.
Wir betrachten die Zusammenhänge zwischen Wahrnehmung, Bewertung, Verantwortung und Verhalten. Es geht nicht darum, einen anderen Menschen aus dir zu machen. Es geht darum, genauer zu erkennen, was in einer Situation abläuft und wie du damit umgehen willst.
Welche Veränderungen daraus entstehen und wie schnell sie möglich sind, ist individuell. Coaching unterstützt beim Einordnen, Entscheiden und Erproben neuer Handlungsmöglichkeiten. Es ersetzt keine psychotherapeutische oder medizinische Behandlung.
Du möchtest zuerst herausfinden, worum es bei dir geht?
Mit meinem kostenlosen Orientierungscheck kannst du deine aktuelle Situation selbst einordnen. Deine Antworten bleiben bei dir und werden nicht an mich übermittelt.
Ich begleite dich online und – wenn du aus der Region kommst – auch persönlich in Völklingen im Saarland.
Herzlich
Silke